Maschemau! Nachhilfe für Nicht-Masemattefreier

Hier wurden Generationen von Münsteranern partytechnisch sozialisiert: Im Jovel feiern Kalinen und Seegers ausgiebig.

Hier wurden Generationen von Münsteranern partytechnisch sozialisiert: Im Jovel feiern Kalinen und Seegers seit 1979.

Wer den Münster-Tatort kennt oder in der Kabache wohnt, der hat auch schonmal von Masematte gehört. Zumindest, wenn se mal ins Jovel pienen gegangen sind – und sich gefragt haben, was die Pinte wohl für nen seltsamen Namen hat.

„Jovel“, so viel sei vorweg gesagt, bedeutet so viel wie „toll“ und mag von daher gesehen durchaus ein passender Name sein für das Etablissement von Lindenberg-Bassist und Lokalberühmtheit Steffie Stephan. Das genaue Gegenteil ist übrigens „schofel“ und es kommt durchaus vor, dass unter den lokalen Müßiggängern „Jovel is schofel“ zu hören ist.

Sie verstehen nur Kauderwelsch? Kein Problem. Die inzwischen gar wissenschaftlich erforschte Geheimsprache ist wohl schon im Spätmittelalter als Mischmasch aus Rotwelsch, Romani und Jiddisch entstanden, der noch mit einer Prise aus dem Westfälischen gewürzt wurde. Diese Wurzeln lassen sich auch am rund 500 Wörter umfassenden Wortschatz ablesen, der auch über Münster hinaus bekannte Vokabeln wie „Malocher“, „meschugge“ oder „Mischpoke“ enthält. Andersherum gibt es Stimmen, die an manchen Stellen eine Pseudo-Lateinisierung durch studentische Einflüsse sehen, die sich an der „us“-Endung mancher Wörter ablesen lässt. Beispiel: Mit dem „Tokus“ ist das Hinterteil gemeint.

Niedergang der Masematte

Wirklich belegt ist die Existenz der Masematte in Münster gegen 1870. Fahrendes Volk und, nun ja, eher nicht so gut beleumundete Personen des Stadtlebens nutzten den Soziolekt zur leicht abgeschirmten Kommunikation untereinander. Entsprechend lebten sie vornehmlich in Vierteln, die die vornehmen Bürger seinerzeit eher mieden: Klein Muffi, das Kuhviertel, Pluggendorf und rund um die Sonnenstraße, die – so viel sei an dieser Stelle verraten – nicht nach unserem Zentralgestirn benannt ist.

Spätestens mit der Nazi-Zeit begann der Niedergang der Massematte. Ein Großteil ihrer Sprecher waren nach der Rassenidiologie des Dritten Reiches „Asoziale“, was für viele zugleich ein Todesurteil war. Nach dem Krieg lösten sich die einstmals homogenen Stadtviertel auf, was die traditionelle Masematte weiter verschwinden ließ. Heute kann man die „geborenen“ Sprecher maximal an zwei Femen abzählen, einige Vokabeln schafften es in die lokale Umgangssprache, wie die berühmte „Leeze“ oder eben „jovel“.

Derweil erlebt die Masematte ein Comeback – allerdings nicht in ihrem ursprünglichen Sinne. Heute hat es einen gewissen Chic, den lokalpatriotischen Massemattefreier raushängen zu lassen. Da hätten se früher „schofel“ gesagt.

Das kleine Masematte-Wörterbuch:

Jovel = toll

Schofel = schlecht

Leeze = Fahrrad

Koten = Kind

Pani = Wasser

Lowine = Bier

Poofe = Bett

Pinte = Kneipe

Kowe = Kleidung

Beis = Haus

Kabache = Stadt

Ein umfangreicheres Wörterbuch finden Sie hier.

 


Zum Autor:

Nils Dietrich_klNils Dietrich arbeitet als PR-Berater bei Sputnik. Hier betreut er vornehmlich Kunden aus den Bereichen Finanzen, IT und Telekommunikation. Zuvor baute er die Redaktion bei Finanzen100 auf, arbeitete einige Jahre in der Online-Redaktion der Rheinischen Post und konzentrierte sich hier vornehmlich auf die Wirtschafts- und Politikberichterstattung. Die Münstersche Zeitung, die Westfälischen Nachrichten, der WDR und boersego.de waren einige seiner weiteren Stationen.

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