Von Tauben und Nachrichten: Nachrichtenagenturen wie dpa und Co.

45 Brieftauben sollen die Basis des Geschäftsmodells von Joseph Reuter gewesen sein.

45 Brieftauben sollen die Basis des Geschäftsmodells von Joseph Reuter gewesen sein.

Nachrichtenagenturen sind prima. Finden wir von Sputnik. Warum haben wir dann trotzdem unsere Schwierigkeiten mit ihnen?

45 Tauben sollen es gewesen sein, mit denen Joseph Reuter 1849 sein Geschäft aufbaute. Er schickte die Tiere mit den aktuellsten Börsennachrichten von Brüssel nach Aachen und überbrachte die Neuigkeiten damit Stunden früher an die Geschäftsleute als die Kuriere. Die Tauben wurden dank des Ausbaus eines Telegrafennetzes zwar bald arbeitslos – Reuters‘ Geschäftsidee aber hat in den Nachrichtenagenturen all die Jahre überlebt.

Auch wir als PR-Berater kommen um die Nachrichtendienstleister nicht herum. Im Grunde genommen freuen wir uns sogar diebisch, wenn wir die Pressemitteilung zum neuen Produktionsverfahren unseres Kunden bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa)* untergebracht haben und die größte deutsche Nachrichtenagentur unser Thema aufgreift. Dazu gehört freilich Einiges. Nicht jedes der – für uns und unsere Kunden selbstverständlich immer wichtigen – Themen ist für eine Nachrichtenagentur relevant.

Warum ist meine PR für die dpa nicht relevant?

Nachrichtenagenturen wie die dpa berichten bundesweit, kleinste „Einheit“ sind die Landesdienste; und auch die sind immer noch alles andere als lokal. Zwar gibt es spezielle Themendienste etwa für Wirtschaft, aber auch hier geht es nicht um die lokalen Neuigkeiten. Das heißt, die 34 Neueinstellungen der Firma X sind für eine Gemeinde in Ostwestfalen und die örtlichen Medien dort natürlich interessant. Auch die neue Produktionshalle für 1,2 Millionen Euro ist selbstverständlich ein großes Ding für Firma Y. Über die Kreisgrenzen hinaus verliert dieser Umstand aber, mit Verlaub, dann doch deutlich an Nachrichtenwert.

Somit können wir und unsere Kunden die Nachrichtenagenturen nur für uns „begeistern“, wenn die Zahlen auch im überregionalen Vergleich außergewöhnlich sind oder das Thema irgendwie einzigartig ist. Hat man dann mit seinem Thema bei einer Agentur Interesse geweckt und wird das Thema verarbeitet, ist also schon mal viel gewonnen. Denn die Nachrichtenagenturen können über ihre Reichweite Themen setzen (oder eben nicht) und sind manchmal auch einzige Quelle, aus der dünn besetzte Redaktionen ihre Nachrichten beziehen. Dennoch: Ob, ein dpa-Text (und unser Thema) am Ende in der Zeitung oder der Radiosendung landet, entscheiden die Redaktionen noch immer selbst. Und das je nach Nachrichtenwert. Komme dpa oder wer wolle.

*Zur Info: Als Vollagentur mit allen Ressorts von Wirtschaft über Politik bis Panorama und Sport ist dpa in Deutschland Monopolist. Spezielle Interessenten bzw.  einen kleineren Kundenkreis bedienen zum Beispiel:

  • EPD (Evangelischer Pressedienst)
  • KNA (Katholische Nachrichten-Agentur)
  • SID (Sport-Informations-Dienst)

Hinzu kommen noch die deutschen Dienste ausländischer Agenturen wie eben Reuters, AFP (Frankreich), sda (Schweiz) oder APA (Österreich).


Zur Autorin:

mbMarlen Benen arbeitet als PR-Redakteurin bei Sputnik. Hier betreut sie vornehmlich Kunden aus der Branche Senioren, Gesundheit, Medizin. Jahrelang war sie als Redakteurin und Chefin vom Dienst bei einer großen Nachrichtenagentur beschäftigt. Zudem war sie als freie Journalistin für verschiedenste Medien aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Sport tätig.

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