Von peinlich bis urkomisch: Facebook-Seite zeigt Kuriositäten des Lokaljournalismus

Stilblüten in Lokalzeitungen sorgen für Erheiterung

Stilblüten in Lokalzeitungen sorgen immer wieder für Erheiterung

„Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst“ oder „Mann auf Damenrad erwischt“: In den Zeitungen der Republik sind immer wieder Kuriositäten und merkwürdige Stilblüten zu finden. Auf der populären Facebook-Seite „Perlen des Lokaljournalismus“ werden die Highlights regelmäßig veröffentlicht.

Idee entstand zufällig

Mit seiner Idee hat Jörg Homering-Elsner den Nerv von inzwischen mehr als 46.000 Facebook-Nutzen getroffen. Regelmäßig veröffentlicht der Lokaljournalist aus Emsdetten im Münsterland Amüsantes aus den Lokalteilen der bundesrepublikanischen Gazetten. Und interessante Fundstücke gibt es genug, nach eigener Aussage erreichen ihn wöchentlich rund 100 Hinweise auf Stilblüten wie diese: „Alkoholisiert und unter Drogeneinwirkung stehend haben Polizeibeamte einen 30-Jährigen angehalten.“

„Unfreiwillige Komik in der Presse ist Kein
neues Phänomen“

Entstanden ist die Idee für die Facebook-Präsenz, die gerade einmal seit zwei Monaten existiert, durch einen Zufall. Am Anfang habe er Fundstücke auf seiner privaten Seite in dem sozialen Netzwerkgeteilt, erklärte Homering-Elsner dem Medienportal „Drehschreibe.org“. Dann habe ein Kollege ihm gesagt, er solle doch eine richtige Seite über dieses Thema machen. Mit dem ausgestreckten Finger will er aber nicht auf Andere zeigen, Autorenzeilen schwärzt er, Quellen werden nicht genannt. Überhaupt liege ihm Häme fern, viel mehr interessiere ihn die „unfreiwillige Komik“: „Jeder macht in seinem Beruf mal Fehler – nur: Bei uns Journalisten stehen sie gleich in der Zeitung.“

Perlen Lokaljournalismus

Jörg Homering-Elsner sammelt auf seiner Facebookseite skurrile Artikel aus der Lokalpresse

Das ist übrigens kein neues Phänomen – auch wenn man meinen könnte, dass sich Fehler in Zeiten schrumpfender Auflagen und Redaktionsetats häufen. Die „Neue Freie Presse“ aus Wien etwa schrieb am 16. April 1912 über die Tags zuvor gesunkene „Titanic“, dass das Schiff mit einigen Schrammen davongekommen wäre.

Böser Schriftsetzer sorgt für Blüte

Manchmal ist aber auch böse Absicht im Spiel gewesen. Bei Homering-Elsners Lieblingsstück zum Gauturnfest aus dem „Beiblatt zur Glocke, Beckumer Volkszeitung, Wiedenbrücker Zeitung“ vom 13. August 1919 hat sich der Schriftsetzer einen deftigen Scherz erlaubt: „(…) Unter den Festgästen bemerkte man den kommandierenden General Frhrn. von Watter, den Oberpräsidenten Dr. Würmeling, Regierungspräsident a.D. von Bescher, Oberbürgermeister Dieckmann, Bürgermeister Sperlich, Oberpräsidialrat Kirchner, Oberregierungsrat von Reese, Major Schulz u. a., sowie die Vertreter der Lehrer- und Turnerschaft und andere Arschlöcher.“