Warum PR-Berater manchmal auch nachts arbeiten

Übersicht 1. März 2017 // Jens Koenning

Es ist dunkel, es ist kalt und es ist mitten in der Nacht. Das sind eigentlich genug gute Gründe, um es sich wahlweise auf dem Sofa oder im Bett bequem zu machen. Stattdessen spurten mein Kollege und ich, beide versiert an der Kamera, auf einem großen, grauen Parkplatz hin und her, um Lkw vor einem großen Gebäude zu fotografieren, während ein paar Meter weiter die A7 monoton in der Dunkelheit rauscht.

Zugegeben, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Transport- und Logistikbranche kennt nicht nur Höhepunkte. In den Niederungen des Tagesgeschäfts dominiert die Routine. Zuviel Gewohnheit und täglicher Trott sind allerdings Gift für die Kreativität. Schon allein aus diesem Grund ist es hin und wieder unumgänglich, das Gesäß aus dem gut gepolsterten Drehstuhl zu erheben, den Standpunkt zu wechseln und von anderer Warte auf die Dinge zu blicken.

Besuch macht klug

Ein probates Mittel, das Gespür für die Belange derjenigen zu schärfen, für die man täglich schreibt und textet, ist eine kleine Stippvisite. Was genau beispielsweise des nachts in einem Hub[1] passiert, erfährt man eben am ehesten, wenn man den Hub genau dann besucht. Also machten sich zwei Berater dieser Agentur in einer kühlen Winternacht auf den Weg ins hessische Knüllwald, wo ein großer Sputnik-Kunde seinen zentralen Knotenpunkt für die systematisierte Abwicklung von Teilladungen errichtet hat. 1.500 Tonnen Teilladungen werden dort Nacht für Nacht umgeschlagen und dabei mehr als 140 Lkw abgefertigt.

Keine Zeit für Kaffeekränzchen

Viel Zeit für Kaffee und Pläuschchen haben die Mitarbeiter vor Ort aber nicht, als Lkw um Lkw in die riesige, grell ausgeleuchtete Halle rollen. Die Fahrer haben es alle eilig, wollen keine Zeit verlieren und so schnell wie möglich den Rückweg antreten. Zuvor müssen ihre großen Fahrzeuge jedoch erst ent- und dann wieder beladen werden. Wie nach einer lange einstudierten Choreografie tanzen die Gabelstabler dabei um die Lkw, stellen Waren hier ab, um dort sofort wieder neue auf die Gabeln zu nehmen. Und das alles mit einer Geschwindigkeit und einer Präzision, die dem Beobachter Respekt abnötigt.

Gabelstabler tanzen Wie in einer Choreografie um die Lkw

Die Berater jedenfalls waren schwer beeindruckt, und ein wenig darüber verwundert, dass die Gabelstaplerfahrer ihre surrenden und unentwegt blinkenden Maschinen tatsächlich ohne jeden Unfall durch die nächtliche Halle gezirkelt haben.

Fotografie – Vom Perspektivwechsel profitieren

Gelegenheit das ein oder andere Kurzinterview zu führen blieb glücklicherweise dann doch. Die meiste Zeit wurde genutzt, um Fotos zu machen. Die Motivlage jedenfalls war allererste Sahne und die Kombination von hell erleuchteter Halle und nachtschwarzer Umgebung ein Fest für jeden Fotografen. Schon allein aus diesem Grund hatte sich die Fahrt nach Knüllwald gelohnt. Viel mehr profitiert haben die Berater (und damit auch der Kunde) aber von dem Perspektivwechsel, der mit dem nächtlichen Besuch im Hub verbunden war. Zu wissen worüber und für wen man schreibt ist absolut unerlässlich – ohne Frage. Ein Gefühl zu haben für die Lebenswirklichkeit und den Alltag des Auftraggebers, schützt zwar vor Routine nicht, es eröffnet mitunter aber eine neue Sicht auf ein Thema und hilft, kreativ zu bleiben.

[1]Hub ist die Abkürzung für Hauptumschlagbasis. Sie dient als Sammel- und Knotenpunkt für den Umschlag und die Zusammenfassung von Warenströmen in alle Richtungen.

zum Autor

Jens Könning ist Public Relations-Berater bei Sputnik und betreut als solcher vor allem Unternehmen aus der Branche Transport & Logistik. Irritierender Weise hat er bis heute trotzdem keinen Faible für PS-starke Lastwagen entwickelt. Ein abgebrochenes Studium der Rechtswissenschaften, ein Volontariat und die als Redakteur und Pressereferent gesammelte Erfahrung machen ihn zu einem PR-Generalisten, der selbst aus der dünnsten Faktenlage noch die allerfeinste Pressemitteilung meißelt.

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