Wie Unternehmen mit ungeliebten Inhalten im Netz umgehen sollten

Entlassungen, Schmiergeldskandale, Insolvenzen: Viele Unternehmen tauchen in den Medien nur dann auf, wenn es etwas Negatives zu berichten gibt. Das Dumme, auch Jahre später ranken diese Treffer bei Google noch sehr gut. Die Firmen stehen dann vor dem Problem, die Vergangenheit nicht los zu werden.

Inhalte aus der Google-Suche entfernen zu lassen, ist mittlerweile für Privatpersonen relativ einfach. Die Suchmaschine hat dazu Richtlinien erstellt. Problemlos entfernt werden in der Regel sensible Informationen wie die Kontonummer, erotische Bilder, die der Exfreund ins Netz gestellt hat oder auch Daten, die Rückschlüsse auf Krankheiten zulassen. Mit nur wenigen Klicks kann man einen Antrag auf Löschung stellen. Auch extrem alte Bilddaten, die man nur noch ungern im Netz sehen möchte, wird man wieder los. Google prüft die Links und entfernt sie gegebenenfalls aus den Übersichten. Damit verschwinden zwar die Inhalte nicht aus dem Netz, doch kaum jemand wird sie noch sehen. Möglich macht das die marktbeherrschende Stellung des Internetriesen. Google ist die mit Abstand beliebteste Suchmaschine der Deutschen. 94 % aller Suchanfragen werden mit Google ausgeführt.

Negative Berichterstattung loswerden

Doch zurück zu den Unternehmen. Grundsätzlich haben auch sie die Möglichkeit, Inhalte aus den Google-Suchergebnissen löschen zu lassen. Werden nachweislich falsche Tatsachen behauptet, können auch Unternehmen dagegen vorgehen. Viel häufiger kommt es jedoch vor, dass über Dinge korrekt berichtet wurde. Hier hilft nur eins: Statt viel Geld und Zeit in Anwälte zu investieren, die gegen die Verlage vorgehen, treten Sie die Flucht nach vorne an!

Dinge haben sich verändert, das Unternehmen hat sich wirtschaftlich erholt, durch den Austausch des Managements und Change-Prozesse gibt es neue, florierende Geschäftsbereiche? Vielleicht hat sich sogar das Betriebsklima verbessert? Dann sollten Sie davon berichten.

Blog, PR, Unternehmenswebsite

Grundsätzlich stehen Unternehmen eine Vielzahl von Kommunikationsinstrumenten offen. Mit dem Ziel, Links zu Artikeln mit positiver Tendenz bei Google auf Seite 1 zu bekommen, sollten folgende Kanäle im Fokus stehen:

  • die eigene Website
  • der eigene Blog
  • Blogs aus der Branche
  • Nachrichtenseiten von lokaler/regionaler Presse

Klar, die eigne Website kann mit Onpage- und Offpage-Maßnahmen optimiert werden und sollte zu bestimmten wichtigen Keywords gut ranken. Eine weitere, effektive Maßnahme kann es sein, seine Sicht der Dinge in Beiträgen auf dem eigenen Blog zu veröffentlichen. Allerdings muss das zeitnah zur kritischen Berichterstattung geschehen und sollte nicht gegen Personen oder Medien gerichtet sein. Klarstellen statt um sich schlagen ist hier das Motto.

Untersuchungen zeigen, dass User sich nicht nur auf das verlassen, was über ein Unternehmen geschrieben wird, sondern auch, was das Unternehmen zu den Vorwürfen sagt. Nutzen Sie also die Möglichkeit, Ihre Sicht der Dinge darzustellen!

Blog zur Mitarbeitergewinnung

Zudem kann ein eigener Blog auch gezielt die Bereiche beleuchten, die in der Vergangenheit in Verruf geraten sind. Beispiel: Ein Unternehmen wird umstrukturiert, Mitarbeiter entlassen, es gibt immer wieder negative Berichterstattung und Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat. Einige Jahre später hat sich die Lage beruhigt, es werden sogar wieder neue Mitarbeiter eingestellt. Nur leider berichtet niemand darüber… Außer ihr Blog. Stellen Sie Mitarbeiter vor, die zufrieden sind mit ihrem Arbeitgeber sind, bringen Sie eine Geschichte einer Mutter aus dem Unternehmen, die dank der Betriebs-Kita nach der Elternzeit wieder in den Job zurück konnte usw. Wichtig ist natürlich, dass die Kommunikation authentisch bleiben sollte. Eine Fake-Mutter schadet mehr als sie nützt. Aber das sollte selbstverständlich sein.

Gastautor werden

Sie betreiben selbst einen Blog? Dann werden Sie auch zum Gastautor auf anderen Blogs und bieten Sie Kollegen aus der Branche die Möglichkeit, bei Ihnen zu publizieren. Auch so lässt sich Content schaffen, der zum einen den viel beschworenen Mehrwert für den Leser bietet, zum anderen aber bei geschickter Verlinkung und Streuung auch noch gut rankt. Und: Sie zeigen, dass Ihr Unternehmen offen ist für Themen der Branche. Das schafft Vertrauen.

Die gute, alte klassische PR

Bitte vernachlässigen Sie nicht die PR. Nach einer strukturellen Veränderung im Unternehmen ist genau der richtige Zeitpunkt, voll in die PR einzusteigen. Laden Sie Journalisten ein und zeigen Sie ihnen, was sich im Vergleich zu damals (negative Berichterstattung) alles verändert hat. Vorausgesetzt ist natürlich, es hat sich tatsächlich etwas verändert und Sie verkaufen nicht alten Wein in neuen Schläuchen. Gehen Sie dabei strategisch vor und verpulvern Sie nicht alle Munition auf einmal. Versuchen Sie auch nicht, so zu tun, als ob es die alten Dinge nie gegeben hätte. Natürlich müssen Sie die Journalisten nicht auf alte Fehler hinweisen, leugnen sollten Sie sie aber auch nicht.

Ein Kommunikations-
konzept ist die
halbe Miete

In Ihrem Kommunikationskonzept sollten PR-Maßnahmen für einen Zeitraum von etwa einem Jahr im Voraus geplant sein. Mit jeder Online-Veröffentlichung setzten Sie so nach und nach den negativen Treffern etwas dagegen. Ein zugegeben, mühsamer Weg, aber mitunter auch der glaubhafteste.

Fazit

Inhalte zu löschen, wird schwierig, völlig machtlos steht man negativer Berichterstattung aber auch als Unternehmen nicht gegenüber. Neben dem juristischen Weg gibt es auch einen kommunikativen, der mittelfristig auf verschiedene Konten einzahlt, Vertrauen schafft und Sie bei Google besser dastehen lässt.

zum Autor

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem ist er Ansprechpartner für Social Media in der Agentur für Unternehmenskommunikation. Vor seiner Zeit in der PR-Branche studierte er Medien und Politik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit Anfang seines Studiums arbeitet er als freier Mitarbeiter für regionale Tageszeitungen sowie Special-Interest-Titel. Privat bloggt er unter www.ruhrwohl.de zu den Themen Food, Interior und Reise.

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