Die Unternehmenswebseite: zu oft nur stiefmütterlich behandelt

Übersicht 24. Juli 2017 // Lukas Schenk

In der Psychologie weiß man, dass der erste Eindruck entscheidend ist. Innerhalb von Sekunden fällt unser Gehirn ein Urteil über uns unbekannte Menschen. Ein stückweit lässt sich diese Erkenntnis auch auf Unternehmen und ihre Webpräsenz übertragen. Egal, ob man auf der Suche nach einem (neuen) Job ist, Ansprechpartner ermittelt oder Informationen zu Produkten und Dienstleistungen recherchiert: Die Unternehmenswebseite ist häufig erste Anlaufstelle des Suchenden und soll nach Möglichkeit einen guten Eindruck vermitteln.

Die meisten Firmen sind sich zwar der Bedeutung einer gescheiten Unternehmenswebseite bewusst, unternehmen konkret aber nicht viel. Selbst im Jahr 2017 präsentieren sich etliche KMU im Netz in etwa so wie ein Bewerber, der in einem vollgekotzten Karnevalskostüm zum Vorstellungsgespräch erscheint. Man stößt auf 90er-Jahre-Designs, unnötige Animationen, unübersichtliche und überladene Strukturen, veraltete Technik und und und…

Genauso wenig wie es die „perfekte“ Unternehmenswebseite gibt, gibt es Anleitungen oder Ratgeber, die einen zu dieser führen. Deshalb sollte sich jede Webpräsenz nur auf ein Ziel konzentrieren: den Kundennutzen. Für wen sonst macht man schließlich eine Unternehmenswebseite?

Einmal angenehm schlicht bitte

Fangen wir bei der Optik einer Unternehmenswebseite an. Das Design muss zum Unternehmen passen und Professionalität ausstrahlen. Bestattungsunternehmen sollten ihren Internetauftritt zum Beispiel nicht unbedingt wie einen hippen Fashion-Blog aufziehen. Maximalstylishe Designs und überbordende technische Features sind in den meisten Fällen gar nicht notwendig, sondern häufig hinderlich. Sie führen unter anderem zu Kompatibilitätsproblemen und einem lahmen Seitenaufbau.

Wichtig sind insbesondere eine aufgeräumte Struktur und hohe Benutzerfreundlichkeit (Stichwort responsive). Ein User, der schnell die Informationen findet, die er sucht, ist ein zufriedener User. Man muss sich nur selbst die Frage stellen: Wie schnell springe ich von einer Unternehmenswebseite (oder irgendeiner anderen Seite) ab, auf der ich ewig Scrollen und Klicken muss, um ans Ziel zu kommen? Im Internet sind wir nämlich vor allem eines: ziemlich bequem. Eine gute Unternehmenswebseite muss diesem Umstand Rechnung tragen.

Content, was sonst?

Die beste Usability bringt gar nichts, wenn der Content nicht stimmt. Hier sind heutzutage insbesondere Multimedia-Inhalte wie Videos und Bilder gefragt. Aber auch der gute alte Text darf nicht fehlen, der die wesentlichen Informationen knackig auf den Punkt bringt. Nur so bietet die Unternehmenswebseite einem (potenziellen) Kunden einen wirklichen Mehrwert.

Logisch: Je nach angebotenen Produkten oder Dienstleistungen sehen Unternehmenswebseiten in Sachen Content natürlich unterschiedlich aus. Ob das oben genannte Bestattungsunternehmen beispielsweise ein Video-Tutorial zur Leichenpräparierung produzieren soll, ist fraglich.

Besser gefunden werden als… naja, nicht gefunden werden

In den meisten Fällen beginnt die Recherche  mit Google und hier kommt das Stichwort SEO, also Suchmaschinenoptimierung ins Spiel. Ein gigantischer Themenkomplex, der unmöglich in einem Blogbeitrag abgefrühstückt werden kann. Deshalb nur so viel: Es gibt keine offiziell von Google herausgegeben „SEO-Ranking-Faktoren“, die der Unternehmenswebseite zu einem garantiert besseren Ranking verhelfen – und es wird diese auch nie geben. Suchmaschinenoptimierung basiert rein auf Erfahrungswerten und Trial and Error.

Die Erfahrungen zeigen jedoch: Wenn eine Unternehmenswebseite die oben beschriebenen Faktoren hinsichtlich Usability, Schnelligkeit, Struktur und Content berücksichtigt, ist sie bereits auf einem guten Weg. Welche Maßnahmen Früchte tragen und welche nicht, erfahren Betreiber durch regelmäßiges und gründliches Webcontrolling.

Ein (leider fiktives) Fallbeispiel

In der Praxis könnte das Ganze also folgendermaßen aussehen: Herbert Musterzyklop sucht Einhornkostüme und findet über Google die Unternehmenswebseite der fiktiven Uni-Pferd GmbH – einem Hersteller authentischer Einhornkostüme für Ponys. Die Seite baut sich schnell auf, ist responsiv und begrüßt den Nutzer mit dem großen Foto eines verkleideten Ponys samt Schriftzug: „Verleihen Sie ihrem Pony einen Hauch von Magie – mit unseren maßgeschneiderten Einhorn-Overalls.“ Zusätzlich befinden sich auf der Startseite ein Button (Call-to-Action), auf dem „Design auswählen“ steht, sowie eine sinnvoll platzierte und übersichtliche Navigationsleiste.

Herr Musterzyklop erfährt auf der Unternehmenswebseite sofort, worum es geht und kann direkt zum nächsten Schritt, also der Bestellung, übergehen. Die Navigationsleiste führt ihn mit wenigen Klicks zu allen relevanten Informationen über das Unternehmen, die Produkte, Kontaktmöglichkeiten und so weiter.

Der Weg zur guten Unternehmenswebseite, zusammengefasst in sechs sexy Stichpunkten:

  1. Kundennutzen hat oberste Priorität
  2. Übersichtliche Struktur und angemessenes Design
  3. Hohe Usability (Schnelligkeit, Kompatibilität, Responsive, saubere Programmierung)
  4. Multimedia-Content mit Mehrwert für den Benutzer
  5. Langfristig angelegte SEO-Maßnahmen
  6. Regelmäßiges Webcontrolling

zum Autor

Lukas Schenk ist PR-Redakteur bei Sputnik. Während seines Volontariats in der Münsteraner Agentur unterstützte er vor allem die Teams Industrie sowie Transport & Logistik. Vor seinem Antritt bei Sputnik hat er Geschichte und Texttechnologie an der Universität Bielefeld studiert. Lukas war in dieser Zeit für eine regionale Tageszeitung tätig und sammelte Erfahrungen in den Bereichen Rundfunk sowie interne Unternehmenskommunikation.

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