Veröffentlicht am: 25. Februar 2022Von: Kategorien: PR

Was bewegt die Kommunikationsbranche im Jahr 2022? Von Corporate Influencern über Google Updates bis hin zu einem „Kommunikationsfreeze“: Dieser Blogbeitrag blickt auf Entwicklungen, die 2022 für Kommunikationsabteilungen wichtig werden.

Ein Überblick über die Trends:

  1. Die Beziehungen zu Influencer:innen werden enger und langfristiger
  2. Unternehmen werden sich vermehrt als nahbar und nicht perfekt inszenieren
  3. Intelligenter und multimedialer: Updates für den Google-Algorithmus werden SEO prägen
  4. Digital Nudging: Wichtig, um interne Kommunikation zu erleichtern

Influencer:innen langfristig binden und selbst ausbilden

Längst sind Influencer:innen keine Modeerscheinung mehr in der Unternehmenskommunikation – schließlich ist das Influencer Marketing seit Jahren ein fester Bestandteil im Kommunikationsmix großer Unternehmen. Allerdings gibt es innerhalb des Feldes „Influencer Marketing“ Trends, die 2022 von Bedeutung sein werden.  

Spätestens in diesem Jahr hat die kurzfristige Kooperation mit Inluencer:innen ausgedient. Etabliert ist mittlerweile die langfristige Kooperation zwischen Unternehmen und dem/der Content-Schaffenden, bei dem letztere das kreative Steuer in der Hand haben. Diese Kooperation ist allgemein unter dem Begriff „Influencer Relations“ bekannt und nach wie vor profitieren Unternehmen im B2C-Bereich von der Reichweite der Influencer:innen.

Für das Recruiting oder auch den B2B-Bereich immer relevanter werden sogenannte „Corporate Influencer“ – also eigene Mitarbeitende, die Beiträge für die Unternehmen produzieren. Ihr Vorteil: Sie werden von ihren Follower:innen als glaubwürdiger wahrgenommen, wenn sie über das Unternehmen sprechen, weil sie selbst angestellt sind und aus erster Hand über das Unternehmen sprechen.

Dafür müssen ihnen auch (kreative) Freiheiten gewährt werden. Schließlich sollten sich die Coporate Influencer:innen in ihrer Rolle wohlfühlen und sich mit den Beiträgen identifizieren können. Nur so können auch die produzierten Beiträge glaubwürdig wirken. Zudem spielt im Recruiting die Reichweite eine eher untergeordnete Rolle. Es geht nicht darum, von der gigantischen Fanbase großer Content-Schaffenden zu profitieren, sondern beispielsweise potenziellen Bewerber:innen einen authentischen Eindruck vom eigenen Unternehmen zu vermitteln.

Imperfektion statt Hochglanz

Hochglanz war gestern. Das Bewusstsein dafür, dass bearbeitete Fotos und falsche Schönheitsideale nicht hilfreich für die Psyche von (jungen) Menschen sind, ist nicht erst durch die Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen im vergangenen Jahr gestiegen.

Immer mehr Unternehmen fangen an, umzudenken und werben mit „normalen“ Menschen als Models – sie setzen auf das Unperfekte und akzeptieren Makel. Hashtags wie #perfektunperfekt oder #fürmehrrealitätaufinstagram werden sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen geteilt. (Vgl. hierzu die Kampagne von Zalando)

Die Bewegung für mehr Ehrlichkeit und Normalität in der Werbung kann auch für Unternehmen relevant sein, die nicht in der Modebranche tätig sind: Man sollte sich auch trauen, unperfekte Dinge auf sozialen Medien zu veröffentlichen. Anstatt professioneller Mitarbeiter:innen- oder Produktfotos sollten auch Bilder aus dem Alltag, aus der Berufsrealität verwendet werden. Diese Imperfektion führt dazu, dass sich die Follower:innen mehr mit dem Unternehmen identifizieren können.  

Google-Algorithmus-Updates verstärken SEO-Trends

Inflationäres Benutzen von Keywords – das ist schon länger bekannt – hilft Websites nicht mehr, hoch bei den Google-Ergebnissen gelistet zu werden. Denn in regelmäßigen Abständen updatet die größte Suchmaschine ihr Ranking-System, um dem/der Nutzer:in möglichst zufriedenstellende Ergebnisse für die Suchanfrage zu liefern. Dadurch wird der Algorithmus immer komplexer und schwerer zu durchschauen.

Momentan immer populärer wird das multimediale Suchen, also das Suchen via Spracheingabe oder die „Google Lens“ – eine Kamera-App, die Inhalte im Suchfeld direkt erkennt und das Netz nach den erkannten Inhalten durchstöbert. Die aktuellen Updates laufen unter dem Thema „MUM“ (Multitask Unified Model). Die Suchmaschine wird so angepasst, dass sie die richtigen Antworten auf komplexe Fragen liefert. Diese Fragen können sogar in Kombination mit einem Bild gestellt werden, welches die Website noch interpretieren kann.

Was bedeutet das für Websites?

  • Selbsterstelltes Bildmaterial, das Sachverhalte erklärt oder beschreibt, ist von hoher Bedeutung für den Algorithmus.
  • Dass der Algorithmus noch komplexere Fragen verstehen kann, bedeutet auch in der Konsequenz, dass das Ranking von Websites auch nicht davon abhängen muss, wie komplex ein Thema ist.

Das Algorithmus-Update macht Google noch flexibler, klüger und multimedialer. Allerdings ändert sich wenig an den Grundregeln des SEO: Wer möglichst vielen Userinnen und Usern glaubhaft zeigen kann, dass er ihnen einen Mehrwert bietet – ob Unterhaltung oder Information – der hat gute Chancen, vom Algorithmus belohnt zu werden.

Interne Kommunikation: Mitarbeiter:innen in die richtige Richtung „stupsen“

Zwei Jahre Pandemie haben unweigerlich bei vielen Firmen für Dezentralisierung gesorgt – und die Mitarbeitenden aus dem Büro an den heimischen Schreibtisch befördert. Umso schwerer fällt die Kommunikation, wenn alle Mitarbeitenden an ihrem eigenen Schreibtisch sitzen. Dabei helfen können Digitale Nudges.

Nudges stammen ursprünglich aus der Verhaltensökonomie. Sie fußen auf der Erkenntnis, dass das menschliche Verhalten oft nicht rational ist. Entscheidungen können verzerrt werden durch:

  • Eigene Fehleinschätzungen
  • Mangelnde Motivation oder
  • Zeitmangel, um Handlungsoptionen zu prüfen

An der Stelle kommen Nudges ins Spiel: Sie sollen Personen in eine bestimmte, vorteilhafte, Richtung schubsen, indem sie bestimmte Handlungsmöglichkeiten erleichtern oder erschweren. Dennoch bleiben alle Handlungsmöglichkeiten offen.

Digitale Nudges können Mitarbeitenden im Homeoffice dabei helfen, sich mitgenommen zu fühlen. Informationen könnten beispielsweise immer von der gleichen Person zum gleichen Zeitpunkt als Stichpunktliste verschickt werden. Weil die Informationen in snackbaren Häppchen serviert wird, ist es leichter, diese zu verfolgen.

Nudges können dabei helfen, dass Mitarbeitende mit neuen Tools besser zurechtkommen – und der IT damit Arbeit ersparen. Ein Nudge kann hierbei ein Tutorial mit einer Checkliste sein, mit dem die Mitarbeitenden strukturiert die Features des neuen Tools kennenlernen und abhaken können. Durch das Tutorial und die Checkliste werden die Mitarbeitenden eher in die Richtung gedrängt, sich mit neuen Dingen direkt auseinanderzusetzen und die Funktionen kennenzulernen.

Kommunikationspausen einlegen

Ebenfalls hilfreich: Teamintern Zeiträume (beispielsweise von einer Stunde) vereinbaren, in denen Chats oder Postfächer nicht geöffnet werden sollen. Wichtige Anfragen von Kund:innen könnten immer noch telefonisch geklärt werden. Aber dadurch, dass nicht ständig Push-Mitteilungen erscheinen, werden die Bedingungen für konzentriertes Arbeiten besser.  

Das bedeutet für die interne Kommunikation: So verlockend auch interne soziale Netzwerke oder Chats sein sollten – sie verleiten zu einer dezentralen informellen Kommunikation. Viele von den zahllosen Nachrichten, die via Messenger verschickt werden, sind vermeidbare Ablenkungen vom Arbeitsalltag. Durch eine klare Kommunikation können zumindest diese Ablenkungen abgewendet werden.

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