Veröffentlicht am: 12. August 2021Von: Kategorien: PR

Was auch immer Sie schreiben, Sie wollen mit Ihrem Text die Leserinnen und Leser erreichen. Sie wollen sie ansprechen und zu einer Handlung motivieren. Oder Sie wollen ihnen ganz einfach eine Information vermitteln. Verständlichkeit ist da ein Muss!

Beim Schreiben von Pressemeldungen, Texten für Internetseiten oder Briefen stellt sich die Frage der Verständlichkeit. Gelingt es Ihnen, die Buchstaben auf dem Papier „zum Leben zu erwecken“ und eine Wirkung bei den Leserinnen und Lesern zu erzielen?

Sprache kann viel erreichen. Ein einfacher Satz kann zu einem berühmten Slogan werden. Denken Sie an „Yes, we can!“ von Barack Obama. Die Einfachheit haben leider viele Politiker:innen, Wissenschaftler:innen und vor allem Verwaltungsmitarbeiter:innen noch längst nicht als Chance für Ihre Arbeit erkannt. Das Ergebnis lesen Sie zum Beispiel in Einkommensteuerbescheiden.

Vermeiden Sie lange, komplizierte Worte.

„Die Vorläufigkeitsklärung erfasst sowohl die Frage, ob die angeführten gesetzlichen Vorschriften mit höherrangigem Recht vereinbar sind, als auch den Fall, dass das Bundesverfassungsgericht oder der Bundesfinanzhof die streitige verfassungsrechtliche Frage durch verfassungskonforme Auslegung der angeführten gesetzlichen Vorschriften entscheidet (BGH-Urteil vom 30. September 2010).“

Das ist ein Satz aus einem Original-Steuerbescheid. Ein Dokument also, das jede:r Steuerpflichtige verstehen sollte. Ein einziger Satz mit 41 Wörtern. Wie gut, wenn ein:e Steuerberater:in den Sinn erläutern kann.

Das Hamburger Verständlichkeitskonzept

In den 1970er Jahren entwickelten die Psychologen Reinhard Tausch, Inghard Langer und Friedemann Schulz von Thun das Hamburger Verständlichkeitsmodell. Sie fragten sich, welche Aspekte über die Verständlichkeit eines Textes entscheiden. Im Ergebnis identifizierten sie vier entscheidende Faktoren für verständliche Sprache:

  1. Einfachheit
  2. Gliederung und Ordnung
  3. Kürze und Prägnanz
  4. Anregung

Das Hamburger Verständlichkeitsmodell gilt als Grundlage für alle Menschen, die schreiben. Es zählt zum Grundwissen für alle, die verstanden werden und Leserinnen und Leser erreichen wollen. Komplexe Inhalte verständlich darstellen ist das Ziel in vielen Berufsgruppen.

Nun könnte man denken, einfach schreiben ist einfacher, als kompliziert zu schreiben. Das ist leider kein Automatismus. Einfach und verständlich schreiben erfordert große Aufmerksamkeit. Doch keine Angst, verständlich schreiben ist erlernbar!

Merkmal Nr. 1: Die Einfachheit

Schreiben Sie einfach und Ihre Texte werden verstanden. Nutzen Sie so wenig Fremdworte und Fachbegriffe wie möglich. Achten Sie auf die Verben mit der Endung „ieren“. Partizipieren, evaluieren, stigmatisieren und reflektieren sind Beispiele für aufgeblähte Wortkonstruktionen. Diese Wörter wollen imponieren und die Intelligenz des Schreibenden unterstreichen. Die Leserinnen und Leser erreichen sie nicht.

Wählen Sie einfache, starke Verben! Bewerten statt evaluieren, teilhaben oder beteiligen für partizipieren, abstempeln statt stigmatisieren und nachdenken statt reflektieren.

Ihr Text wird von einer gezielten einfachen Wortwahl profitieren, oder besser gesagt, Ihr Text wird durch eine gezielte einfache Wortwahl gewinnen!

Nutzen Sie eine lebendige und bildhafte Sprache. Vermeiden Sie ungebräuchliche Begriffe. Schachtelsätze sind der Feind der Verständlichkeit. Bevorzugen Sie einfache Sätze oder Sätze aus einem Haupt- und einem Nebensatz.

Merkmal Nr. 2: Die Gliederung und die Ordnung

Bauen Sie Ihre Texte logisch auf. Prüfen Sie die logischen Zusammenhänge eines geschriebenen Textes mit großer Aufmerksamkeit. Einleitung, Hauptteil und Schluss sowie die Verwendung kurzer, prägnanter Überschriften ergeben eine äußerlich sichtbare Struktur. Diese Ordnung und der erkennbare rote Faden helfen, komplexe Inhalte verständlich zu machen.

Merkmal Nr. 3: Die Kürze und die Prägnanz

Schreiben Sie so kurz und so prägnant wie möglich. Schreiben Sie genau so lang, wie für das gute Verständnis notwendig ist. Schreiben Sie nur Sätze mit wirklichen Aussagen. Füllwörter, Floskeln und alles Schwülstige kann weg. Legen Sie nach dem Schreiben eines Textes viel Wert auf die Korrektur. Streichen Sie jeden Satz ohne Inhalt. Im Ergebnis entstehen gute kurze und prägnante Texte in verständlicher Sprache.

Beispiele für sinnlos aufgeblähte Wörter sind „Zielsetzung“, „Folgeerscheinung“ oder „Rücksichtnahme“. Verwenden Sie einfach Ziel, Folge und Rücksicht. Die Begriffe sind kürzer, prägnanter und wirksamer.

Der Dichter Jean Paul sagte einmal „Je länger ein Wort, desto unanschaulicher.“ Denken Sie immer daran bei der Wahl Ihrer Worte.

Merkmal Nr. 4: Die Anregung

Was bedeutet dieses Merkmal? Denken Sie an den letzten Vortrag, den Sie gehört haben oder die letzte Doku im Fernsehen, die Sie sahen. Ist Ihnen ein Beitrag in Erinnerung geblieben? Dann war die Rednerin oder der Redner ein:e Meister:in im anschaulichen Erklären. Denken Sie zurück an die Schule. Einige Lehrerinnen und Lehrer konnten Sie mit ihrem Unterricht fesseln, andere nicht. Einige konnten die graue Theorie in Bilder verwandeln, andere haben Sie selbst mit spannenden Themen einfach nur gelangweilt. Diese Lehrerinnen und Lehrer haben vermutlich das Hamburger Verständlichkeitskonzept nicht gekannt. Es ist Ihnen nicht gelungen, ihren Unterricht anschaulich, lebendig zu gestalten und die Schüler zu begeistern.

Ihr Ziel als Autorin oder Autor sollte immer sein, Emotionen zu wecken und mit Worten zu berühren. Versuchen Sie, Ihre Texte mit Beispielen, Zitaten und bildhafter Sprache zu untermalen. Verankern Sie Verständlichkeit in der Öffentlichkeitsarbeit. Schreiben Sie persönlich und Sie werden als Autorin oder Autor wahrgenommen. Wenn Ihnen das gelingt, dann bleiben Ihre Texte in Erinnerung.


Weitere Blog-Beiträge zum Thema:

10 Tipps für eine gute Pressemitteilung

Pressemitteilungen schreiben: So erreichen Sie die Redaktionen

Pressemitteilung als Personalie ≠ mein schönstes Ferienerlebnis


Die Verbindung von Verständlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit

Nur eine verständliche Öffentlichkeitsarbeit kann erfolgreich sein. Beachten Sie die vier Merkmale für verständliche Texte. Sie werden bald eine Veränderung der Wirksamkeit Ihrer Öffentlichkeitsarbeit, Ihrer Artikel, Briefe und Einladungen wahrnehmen.

Für eine verständliche Öffentlichkeitsarbeit gilt, Übung macht die Meisterin oder den Meister. Schon bald können Sie mit dieser Methode schwierige komplexe Inhalte verständlich machen.

Fazit: Verständlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit gehören zusammen. Verständliche Sprache macht Spaß, weil sie ihr Ziel erreicht. Probieren Sie es gleich in Ihrem nächsten Artikel aus!

Beitrag teilen

zum Autor

Redaktion