„Wir schließen“: Warum die Kommunikation auch in Krisenzeiten nicht abreißen sollte

17. Dezember 2014 // Julius Brockmann

Aktuell schließt Opel seine Autoproduktion in Bochum. Im Ruhrgebiet hat der Konzern GM, zu dem die Marke Opel gehört, in den vergangenen Jahren alles getan, um als möglichst unsympathisch wahrgenommen zu werden. Immer wieder las man von Schließungsandrohungen und zähen Verhandlungen mit dem Betriebsrat, hörte Gerüchte zum Ablauf der Schließung. Auch beim Abschied traf der Konzern nicht den richtigen Ton, sagen viele. Klar, der Abbau von Arbeitsplätzen, eine Konzernumstrukturierung oder Neuausrichtung kommen bei den Betroffenen und der Öffentlichkeit selten gut an. Doch schlechte Nachrichten in der Kommunikation gänzlich unter den Tisch fallen zu lassen, ist keine Option.

Denken wir eine Nummer kleiner. Mittelständische Unternehmen, die nicht von einem Konzern in den USA gesteuert werden, verfügen meist über schnellere Entscheidungs- und Kommunikationswege. Dennoch ist verständlich, dass lieber der Ausbau eines Werkes, die guten Geschäftszahlen des vergangenen Jahres oder das neue Produkt, das sich besonders im asiatischen Raum gut verkauft, kommuniziert werden. Wer will schon gerne etwas über Produktflops oder Stellenabbau im eigenen Unternehmen lesen? Die Wahrheit: Diese Nachrichten sind viel interessanter als das, was die meiste Zeit von PR-Abteilungen und Firmen verbreitet wird. Dennoch kann es fatal sein, schlechte News nicht zu kommunizieren.

Warum Geld in bad news stecken?

Zu einem Unternehmen gehören Mitarbeiter. Sie sind es, die über ihren Arbeitsplatz und sein Umfeld privat reden. Dies tun sie oft. Logisch, verbringen viele doch die meiste Zeit des Tages mit ihrem Job. Werden die Mitarbeiter über weitreichende Entscheidungen des Managements nicht oder nur zögerlich informiert, entstehen Gerüchte. Verhindern können Sie dies nicht. Spekulationen sind jedoch immer Gift, vor allem in schlechten Zeiten, in denen wichtige, strategische Entscheidungen anstehen. Fühlen sich die Mitarbeiter nicht richtig informiert oder lesen sie aus der Zeitung davon, dass Arbeitsplätze in ihrem Unternehmen auf der Kippe stehen, führt dies nicht nur zu schlechter Stimmung, sondern kann eine enorme Verunsicherung in der Belegschaft auslösen. Reden Sie deshalb mit den Betroffenen. Dabei gilt immer: Informieren Sie erst Führungsebenen und Mitarbeiter über Unternehmensveränderungen, dann die Medien. In größeren Unternehmen ist dies zwar kaum möglich, sollte aber immer Ziel sein. Dort müssen die Kommunikatoren versuchen, die Infos zeitgleich per Betriebsversammlung und Pressemitteilung zu verbreiten. Und auch schon im Vorfeld sollten Sie die Mitarbeiter mit einbeziehen. Sorgen Sie durch feste Ansprechpartner und nachvollziehbare Argumentationen dafür, dass Sie nicht als schlechter Arbeitgeber dastehen.

Bezugsgruppen einbeziehen

Bei Veränderungsprozessen ist es immer wichtig, zu verstehen, wer in welchem Maße betroffen ist. Ein Beispiel: Ein unrentabler Standort soll geschlossen werden. Zunächst sind da die oben bereits erwähnten Mitarbeiter, aber auch deren Familien, die unmittelbare Auswirkungen spüren werden. Desweiteren sind aber auch ganz andere Gruppen von dieser Entscheidung betroffen. Haben Sie an die Anwohner gedacht? Welche Fragen könnten mit der Schließung bei den Wirtschaftsverbänden und Gewerbetreibenden in der Nachbarschaft auftreten? Sind Zulieferer betroffen oder bestehen vertragliche Verpflichtungen vor Ort, über die vielleicht nur die Regionalmanager Bescheid wissen? Gibt es hier keine Kommunikationsstrategie zur Schließung des Standortes, kann dies teuer werden. Schlimmstenfalls formieren sich Bürgerbewegungen gegen Sie, Lokalpolitiker ziehen über Ihre mangelnde Gesprächsbereitschaft öffentlich her, Ihr Unternehmen wird als Negativbeispiel zum Thema Change Management überregional erwähnt. Sparen Sie sich diesen Ärger, in dem Sie sich vorbereiten.

Welchen Wert hat eine gute Kommunikation?

Natürlich kann es auch passieren, dass es ein paar wütende Mitarbeiter gibt und sonst niemand groß Anteil nimmt. Das wäre gut für Sie, ist aber selten der Fall. Es ist schwer zu beziffern, welchen Nutzen es hat, durch frühzeitige Einbeziehung aller Stakeholder unbeliebte Maßnahmen glaubhaft zu kommunizieren. Fakt ist, holen Sie alle Bezugsgruppen frühzeitig ins Boot, zeigen Sie Verantwortung und erwerben Vertrauen bei den Betroffenen. Dadurch wird es Ihnen leichter fallen, unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen. Zum anderen schaffen die Informationen Sicherheit. Angekündigte, begleitete und umgesetzte Maßnahmen sind vertraut und werden als weniger schlimm wahrgenommen, da genügend Zeit vorhanden war, sich auf die Veränderungen vorzubereiten. Eine Standortschließung wird nie dafür sorgen, dass Sie beliebter werden oder Ihre Marken an Glanz gewinnen. Richtig kommunikativ begleitet können Sie jedoch einen Imageverlust vermeiden und als fair wahrgenommen werden. Welche Instrumente dazu eingesetzt werden können, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Um eine Betriebsversammlung, Pressemitteilung und Infoveranstaltung kommen Sie aber bei weitreichenden Entscheidungen nicht herum.

 

zum Autor

Julius Brockmann ist PR-Berater in den Teams Gesundheit & Pflege sowie Konsumgüter & Dienstleistungen bei Sputnik. Vor seiner Zeit in der PR-Branche studierte er Medien und Politik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit Anfang seines Studiums arbeitet er als freier Mitarbeiter für regionale Tageszeitungen sowie Special-Interest-Titel. Privat bloggt er unter www.ruhrwohl.de zu den Themen Food, Interior und Reise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.