Sprachgebrauch: Immer schön aktiv bleiben

17. September 2014 // Redaktion

Lebendige Texte sind das, was die Leser wollen. Vor allem bei Pressemitteilungen gibt es nichts Schlimmeres als eintönige Sätze. Wir sollten uns also bemühen, unsere Pressemitteilungen so aktiv wie möglich zu gestalten, damit uns keiner einschläft.

Wie das am besten funktioniert, möchte ich nun thematisieren. Also werden wir jetzt aktiv:

Texte wirken durch aktive Sprache lebendiger und dynamischer. Das Aktiv wird nicht umsonst als „Tatform“ bezeichnet. Die Leser sind deshalb eher bereit die Texte zu lesen, denn sie wirken interessanter und sind nicht voll von komplizierten Passivkonstruktionen. Aktiv bringt Bewegung in den Text: Eine gute Lesbarkeit, ein besserer Lesefluss und knackige Sätze sind das Ergebnis.

Hier habe ich nun einige Punkte zusammengetragen, die dabei helfen sollen, immer schön aktiv zu schreiben:

  1. Aktiv schreiben und Passiv vermeiden

Passivsätze verschweigen oftmals die handelnde Person oder nennen sie nur umständlich mit einem angehängten „durch“ oder „von“. Beispiel: „Das Unternehmen wird seit 20 Jahren von Herrn M. geleitet.“ Der Handelnde sollte das Subjekt des Satzes sein, aus seiner Sicht sollte der Text geschrieben werden. So sind die Sätze viel einfacher zu lesen. Sie enthalten alle Informationen, sind kürzer als Passivsätze und viel verständlicher. „Herr M. leitet das Unternehmen seit 20 Jahren.“

  1. Die mysteriöse dritte Person „man“ umgehen

Auch das Wörtchen „man“ in einem Satz versteckt den Handelnden. Es klingt sehr unpersönlich und der Leser weiß nicht, wer gemeint ist: ist er nun selbst angesprochen worden oder jemand Drittes? Beispiel: „Man sollte regelmäßig sein Auto in die Werkstatt bringen“, besser: „Jeder Autofahrer sollte sein Auto regelmäßig in die Werkstatt bringen“.

  1. Verben, Verben und noch mehr Verben

Der Gebrauch vieler Verben macht einen Satz aktiver. Besonders starre Substantivierungen, vor allem die auf –ung enden (Prüfung, Erzählung, Veränderung), wirken sperrig und gestelzt. Häufig kann man diese Ausdrücke einfach in ein Verb umwandeln, das das Gleiche aussagt. Ein Beispiel: „Der Geschäftsführer hat die Neueröffnung einer weiteren Filiale verkündet“ oder „Der Geschäftsführer eröffnet eine weitere Filiale“. Das klingt doch gleich viel besser.

  1. Schwache durch starke Verben ersetzen

Verben sind nicht immer gleich Verben, denn nicht alle sagen wirklich eine Aktivität, also was jemand tut, aus. Beispiele hierfür sind Ausdrücke wie „erfolgen“, „stattfinden“ oder „sich vornehmen“. Besser sind Verben, die ein aktives Bild im Kopf des Lesers hervorrufen, zum Beispiel „lachen“, „schreien“ oder „hüpfen“.

  1. Kein vielleicht: klare Aussagen machen

Modalverben sind Wörter wie „wollen“, „sollen“, „können“ und eigentlich keine richtigen „Tu-Wörter“, da sie keine wirkliche Handlung ausdrücken. Sie schwächen Kritisches ab und distanzieren den Schreiber von einer klaren Aussage. Zusätzlich sind die Modalverben häufig im Konjunktiv geschrieben. „Der Personalchef würde sich freuen, …“.

Konkretes nicht in einer Passiv-Konstruktion verstecken

Doch gerade in Pressemitteilungen ist ein sicheres Auftreten wichtig. Besser sind klare und deutliche Äußerungen. Nicht: „Die neue Geschäftsleitung will damit beginnen, neue Arbeitsplätze zu schaffen“ sondern: „Die neue Geschäftsleitung beginnt damit, neue Arbeitsplätze zu schaffen.“ Das klingt viel konkreter und drückt nicht nur eine Eventualität aus, sondern einen Vorgang. Der Leser merkt, dass diese Handlung tatsächlich stattfindet und nicht nur davon geredet wird. Das schafft Vertrauen.

Wann die passive Form sinnvoll ist

Komplett verzichten kann der Schreibende allerdings nicht auf die passive Form. Manchmal ist diese Konstruktion auch sinnvoll. Statt zu schreiben „Wir liefern Ihr Produkt zu Ihnen nach Hause“ ist es besser zu schreiben: „Ihr Produkt wird zu Ihnen nach Hause geliefert“, denn in diesem Beispiel steht das Produkt im Vordergrund und nicht die handelnde Person.

Es ist eine Frage des Kontextes. Es muss das richtige Maß gefunden werden, um Texte abwechslungsreich zu gestalten: Unterschiedliche Satzkonstruktionen helfen dabei. Das Passiv ist also ab und zu in Ordnung, solange der Großteil des Textes aktiv formuliert ist.

Mein Tipp: Am Ende immer noch einmal den gesamten Text lesen und versuchen – wenn möglich und sinnvoll – die passiven Formen durch aktive zu ersetzen. Es lohnt sich!

 

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